Grotte auf dem Humeitepe
Die Grotte auf dem Humeitepe ist eine von zwei natürlich entstandenen Grottenanlagen innerhalb der Stadt Milets. Die Grotte befindet sich, wie ihr Name bereits vorweg nimmt, auf einem Hügel im nördlichen Stadtgebiet von Milet in der Nähe des Demeter-Heiligtums. In Zusammenhang mit Forschungsarbeiten zu diesem Tempelbezirk wurde die Grotte 1980 durch Wolfgang Müller-Wiener freigelegt.
Bei der Anlage handelt es sich um eine natürlich entstandene Grotte, die nachträglich bearbeitet und erweitert wurde. Der Innenraum ist in zwei Bereiche gegliedert: einen kleineren Raum, welcher 2.3 x 2.7 m misst, und einen größeren, der sich nordwestlich anschließt und 3.1 x 2.7 m groß ist. Der Zugang in das Innere der Grotte liegt auf der Ostseite und führt zunächst in den größeren Raum, in dem das Gestein eine Stufenformation bildet. Die Höhenverhältnisse innerhalb der Grotte variieren. Während der kleine Raum eine Höhe von 1.60 m an der westlichen Wand aufweist, so hat der größere Raum an der Westwand eine Höhe von 2.89 m. Ursprünglich scheint die Grotte durch einen überhängenden Felsabschluss teilweise überdeckt gewesen zu sein.
Eine genaue zeitliche Einordnung der Grotte ist schwierig, da die Grabungsdokumentation nur lückenhaft überliefert ist. Die Fundstücke aus der Grotte sprechen jedoch für eine Nutzung, die zumindest bis in den Hellenismus zurückreichen könnte und sich bis in die römische Kaiserzeit fortsetzt. Eine klare Abfolge der einzelnen Nutzungsphasen lässt sich nicht rekonstruieren. Dennoch deuten verschiedene Befunde darauf hin, dass die Grotte schrittweise ausgebaut wurde. Es ist anzunehmen, dass der Innenraum zunächst in seinem natürlichen Zustand blieb. Es kam vermutlich erst im Laufe der Zeit zu einer größeren Ausgestaltung des Raumes, die schließlich die dekorativen Elemente, wie den bemalten Wandputz der Grotte, einschloss. Dies stellt eine ähnliche Entwicklung wie die der Theatergrotte dar.
Besondere Bedeutung kann der Ausgestaltung der Räume mit Nischen zugesprochen werden. In ihrem unmittelbaren Umfeld wurden Terrakotten sowie Miniaturhydrien gefunden. Aufgrund dieser Befundlage wird diskutiert, ob die Grotte in den Temenos des Demeter-Heiligtums einbezogen war. Vor allem die Miniaturhydrien könnten auf eine solche Verbindung hinweisen, da circa 200 dieser Art innerhalb des Heiligtums gefunden wurden. Allerdings bleibt es bei einer solchen Vermutung, da die tatsächliche Ausdehnung des Temenos ungesichert ist.
Da vereinzelt auch islamische Münzen und glasierte Keramik vorgefunden wurden, scheint der Hohlraum erst in der Emiratszeit (ca. 13. bis 15. Jh. n. Chr.), als Milet unter der Herrschaft des Fürstentums (Beylik) Menteşe stand, endgültig verfüllt worden zu sein.
Text: Milla Wefel
Literaturhinweis
- S. Huy, Versteckte Orte. Zwei Grotten im städtischen Raum Milets, in: B. Engels – S. Huy – C. Steitler (Hrsg.), Natur und Kult in Anatolien. Viertes Wissenschaftliches Netzwerk an der Abteilung Istanbul des Deutschen Archäologischen Instituts, und F. Pirson – K. Piesker (Hrsg.), BYZAS 24. Veröffentlichungen des Deutschen Archäologischen Instituts Istanbul (Istanbul 2019) 145–176


