Thermen am Museum
In dem Gelände gegenüber des Milet-Museums sieht man auf einer Fläche von etwa 40,5 x 96,5 m einige hohe Mauern, deren Zusammenhang nicht auf den ersten Blick erkennbar ist. Sie bestehen aus Opus Caementicium, das mit Handquadern verschalt ist, und sind parallel oder rechtwinklig zueinander angeordnet. Bereits Walter Bendt hat sie auf seiner 1968 publizierten topographischen Karte von Milet als „Thermen (?)“ bezeichnet. Erst 2022 konnten sie zum ersten Mal systematischer erforscht werden. Im Rahmen einer Sommerschule haben Studierende die Mauerreste dokumentiert.
Ausgehend von dieser Aufnahme und unter Berücksichtigung des üblichen Raumprogramms römischer Badeanlagen ließ sich ein Rekonstruktionsvorschlag erarbeiten. Demnach handelte es sich um eine weitläufige Therme mit Räumen unterschiedlicher Ausrichtung sowie einer Palästra. Die Größe der rekonstruierten Anlage entsprach derjenigen der Faustina-Thermen. Sie erstreckte sich über die Insulae PQ/26-27 und PQ/27-28 des antiken Stadtgebiets unmittelbar an der Heiligen Straße, der in nord-südlicher Richtung verlaufenden Hauptachse der Stadt. Eine an den Badekomplex angeschlossene Ladenzeile öffnete sich auf diese Straße. Im Hinblick auf ihre Lage dürfte die Therme vor allem der Versorgung des südlichen Stadtgebiets von Milet gedient haben. Grabungen des Jahres 2025 haben gezeigt, dass die Therme im 2. Jh. n. Chr. an der Stelle von zuvor hier bestehenden Wohnbauten errichtet worden ist und bis in das 4. Jh. n. Chr. bestand. Danach haben sich die Bewohner von Milet in der Ruine eingerichtet und die nicht mehr benötigte Bausubstanz als Materialquelle genutzt.
Text: Christof Berns
Literaturhinweise
- G. Tuttahs, Milet und das Wasser. Ein Leben in Wohlstand und Not in Antike, Mittelalter und Gegenwart, Schriften der Deutschen Wasserhistorischen Gesellschaft 5 (Siegburg 2007)
- Duygu Göçmen, Sommerschule „Praxis der archäologischen Bauaufnahme“ in Milet. Kurzbericht, Link

